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Die Werke von Emmanuel Albrand verstehen sich als zeitgenössische Interpretation einer alten künstlerischen Tradition, deren Wurzeln sich in Asien, vor allem in China und Japan befinden: Die Kunst der „Gelehrtensteine“, die in China „Gongshi“ genannt werden, sowie die Kunst der in Baumwurzeln eingeschlossenen Steine, die in Japan „Ishigami“ genannt werden. Diese Steine verwachsen im Lauf des Baumwachstums fest mit der Wurzel und bilden ein untrennbares Gebilde. Diese Kuriositäten waren am Ende der Edo-Periode und zur Zeit des Kaisers Meiji sehr beliebt.
Es handelt sich um eine Kunst der Natur, die die Schönheiten und Kuriositäten, die der passionierte Spaziergänger findet, schätzt und würdigt. Die Materialien, Stein und Holz, sind von selbst entstanden oder zu natürlich wirkenden, magischen Gebilden zusammengefügt. Die Werke wollen nachdenklich bestaunt werden um so das magische Zusammenspiel zwischen Werk und Material wahrzunehmen.
Nur durch langsames, ruhiges Betrachten erschließt sich der Sinn der Werke. Das genaue Betrachten dieser „Zeitzeugen“ führt uns unweigerlich zu Gendanken über unsere Beziehung zu Zeit, über die Entstehung der jahrmillionnenalten, metamorphen Gesteine, sowie den Prozess der Erosion, in dem Größe, Form und Oberfläche entstanden sind. Wir bestaunen das stete Wachstum der Wurzeln, Jahr für Jahr, Generation für Generation. Die physische Materie ermöglicht im Betrachter zweifelsohne das Aufkeimen metaphysischer Gedanken und erlaubt uns unseren Platz im Schoße der Schönheit der Welt zu finden.
Diese zufälligen (aber sehnlich gesuchten) Fundstücke sind Teil der spontanen, unerschaffenen Geschenke der Natur. Es handelt sich um sogenannte Acheiropoieta (aus dem Griechischen „nicht von Hand gemacht“). Nach der steten Arbeit der Zeit und der Elementarkräfte der Natur, bedarf es eines langen „Reifungsprozesses“ genauen Betrachtens im Atelier, um schließlich jene Aspekte ans Licht zu bringen und zu zeigen, die schon von Beginn an die Aufmerksamkeit des Finders erregt haben. Die Nadel glänzt im Heuhaufen nicht weniger, und es ist die Aufgabe des Künstlers jene Teile zur Geltung zu bringen, die sonst im bescheidenen Ursprungsmaterial verloren gehen würden.
Diese Kunst öffnet eine Türe zu einem spirituellen Weg, zu ökologischem Gewissen, das dem Menschen ermöglicht einen nachhaltigen Platz auf unserem Planeten zu
finden.